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Tagblatt, 31.07.2010

Presse-Echo



"Es macht mir tierischen Spaß."


RAINER NIEBERGALL
Der Germanist und Historiker erklärt seine Stadt und lernt von alten Wiesbadenern gern dazu

SAMSTAGSGESPRÄCH

Von Angelika Eder



Wiesbadener Tagblatt, 31.07.2010


Die besonderen Führungen des Rainer Niebergall: Erst Kochbrunnen, dann Sekt. Foto: wita/Paul Müller.

„Es macht mir tierischen Spaß, vor Leuten zu stehen und Dinge an sie weiterzugeben, die mir interessant erscheinen.“ Genau das tat Rainer Niebergall schon in der Grundschule, wie er gerade von einer zufällig wiedergetroffenen Mitschülerin erfuhr. Und daran hat sich bis heute nichts geändert: Entweder geht er dieser Leidenschaft als Führungskraft einer Versicherung nach, in der er für die Einstellung und Ausbildung neuer Mitarbeiter verantwortlich zeichnet, oder als Gästeführer.

Als solcher eröffnet er Wiesbadenern und Wiesbaden-Interessierten auf Stadtspaziergängen unter dem Motto „Straßen erzählen Geschichte(n)“ neue Perspektiven. „Viele sagen mir hinterher, sie seien diese Wege unzählige Male gegangen, ohne jemals gesehen zu haben, was ich ihnen zeigte. Die wenigsten Menschen heben in ihrem Alltag den Blick, um sich die Gebäude näher anzuschauen, so dass ihnen viel Sehenswertes entgeht.“

Das änderte Niebergall jahrelang ehrenamtlich in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Stadtmuseum. 2009 gründete er sein Unternehmen „KulTour & Mehr – Stadtführungen, Stadtgeschichte – Planung, Organisation und Management“, um mittlerweile 16 verschiedene Erkundungsgänge abseits ausgetretener Pfade anzubieten: Eine Führung zu den Wiesbadener Bahnhöfen „Eisenbahngleise und grünes Entree“ gehört ebenso zu seinem Programm wie die durch das Bergkirchenviertel unter dem Motto „Von Handwerkern und dienstbaren Geistern“. Besonders erfolgreich und inzwischen sogar von Wiesbadenern als „Geburtstagsevent“ für Festgäste geplant, ist die „KulTour Wiesbaden Illuminiert“, auf der Niebergall bei Nacht seine Gäste mit Informationen, Ein- und Aussichten auf Wilhelmstraße, Bowling Green und Kranzplatz erleuchtet und die baulichen Schönheiten abschließend in einem Restaurant in der Saalgasse mit Sekt begießt.

Zu seinem Nebenjob kam er übrigens durch Zufall: Er sprang für eine Führung anlässlich des Taunusstraßenfestes ein und fand sofort Spaß daran: Kein Wunder, bringt er doch als gebürtiger Wiesbadener, der Germanistik und Geschichte studierte, die optimalen Voraussetzungen mit.

Das Vorgehen bei der Erarbeitung einer neuen Route ist stets gleich: „Erst einmal gehe ich lange spazieren und fotografiere sehr viel. Eine unschätzbare Quelle ist auch die Denkmaltopographie von Sigrid Russ über die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, und anschließend gilt es zu recherchieren.“ Mit seinen Ausführungen stelle er sich dann auf jede Gruppe neu ein. „Da braucht man ein Gefühl für Menschen, um den Nerv zu treffen“, ergänzt Sven Reinhardt, der gemeinsam mit Niebergall für „KulTour und Mehr“ Stadtspaziergänge durchführt.

Wahrscheinlich ist es diesem Gespür Niebergalls und dessen Abneigung gegen „Abspulen eines Programms und Vorbeireden an den Leuten“ zu verdanken, dass viele Gäste immer wieder zu seinen Touren kommen, quasi darauf abonniert sind. Sie werden ebenso zu schätzen wissen, dass die „Leithammel“ von „KulTour & Mehr“ nicht nur viel Interessantes zu erzählen haben: Sie hören auch zu, denn es ist erwünscht, dass die Teilnehmer untereinander ins Gespräch kommen und ihr Wissen einbringen. Ein diesbezüglich besonderes Beispiel sei eine Seniorin aus dem Nerotal, deren Teilnahme immer eine Bereicherung darstelle: Denn die Achtzigerin bringe als Zeitzeugin persönliche Erlebnisse und Kenntnisse ein, die Außenstehende nicht kennen können.

Außergewöhnliche Vorkommnisse gebe es eher selten. Schmunzelnd erinnern sie sich daran, wie sich einmal ein betagter Architekt in der Langgasse von der Gruppe löste, um seinen Ärger über eine die Fassade verschandelnde Werbung sofort an den verantwortlichen Mann zu bringen: Er ging in die Apotheke und machte seinem Unmut dort Luft. Die Werbung gibt es inzwischen nicht mehr.

Bei längeren Touren sei das Zusammenhalten der Gruppe problematisch. Ein anderes – für die Stadt peinliches – Problem stelle sich schon seit Jahren immer wieder aufs Neue und werde schon ebenso lange vom Gästeführerverband beklagt: Mancher Gast müsse die Führung trotz seines großen Interesses nur deshalb verlassen, weil Wiesbaden viel zu wenig öffentliche Toiletten anbiete. Auf dem Neroberg etwa hätten Teilnehmer mit einem dringenden Bedürfnis keine andere Wahl als die, in den Wald zu gehen...

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