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Tagblatt, 03.05.2010

Presse-Echo



"Einfach, schön und regelmäßig"


RUNDGANG
Mit Rainer Niebergall durch das Bergkirchenviertel


Von Christian Struck


Wiesbadener Tagblatt, 03.05.2010

Interessiert wurde den Ausführungen von Rainer Niebergall zum Bergkirchenviertel gelauscht. wita/Uwe Stotz

EntdeckungsTour
Von Handwerkern und dienstbaren Geistern: Das Bergkirchenviertel

Nächster Termin:
7. September 2013

Wo Licht ist, muss auch Schatten sein. Und da, wo viel Reichtum ist, müssen Quartiere für Arbeiter und Bedienstete her. So war es jedenfalls, als das zuvor ackerbürgerlich geprägte Wiesbaden im 19. Jahrhundert zur größten Stadt im damaligen Herzogtum Nassau avancierte. Am Sonntag führte Rainer Niebergall, Stadtführer für „KulTour und mehr“, eine Handvoll Interessierte durch das Bergkirchenviertel.

„Wiesbaden war schon immer eine reiche Stadt“, stellte Niebergall zu Beginn der Tour klar. Da, wo sich jetzt das Viertel um die Bergkirche erstrecke, hätten sich vormals Wiesen und Obstbäume befunden. Entlang der heutigen Taunusstraße habe sich ein Promenadenweg um die Stadt gezogen. Als dann zunehmend Handwerker und andere Arbeitskräfte gebraucht wurden, habe man dort ein Quartier für die „kleinen Leute“ errichtet. Im Laufe der Zeit seien die meist eingeschossigen Fachwerkhäuser größeren Bauwerken gewichen. „Viele Handwerker sind zu Geld gekommen und haben dann ihre Häuser entsprechend angepasst.“

„So wie hier müssen wir uns das Bergkirchenviertel im 19. Jahrhundert vorstellen“, deutete Niebergall auf das „Gestüt“ in der Nerostraße. „Einfach, schön und regelmäßig“. Es gäbe noch eine ganze Reihe weiterer Häuser in denen dieses „Modellhaus“ noch erkennbar sei. Als letzte Maßnahme sei in den 1840er Jahren die Lehrstraße angelegt worden. Die Stadt habe die Grundstücke lange Zeit für den Bau der Bergkirche und der Anton-Gruner-Schule freigehalten. An der Fassade der Schule sei auch ein Kuriosum zu bestaunen: Das dort angebrachte Wappen mit Nassauischem Löwen im Zentrum und drei Lilien sei gut zehn Jahre lang irrtümlicherweise für das Stadtwappen gehalten worden. Außerdem ist das 1842 errichtete Schulgebäude das älteste seiner Art. Den betuchteren Bürgern sei es ganz recht gewesen, dass die Bewohner des Bergkirchenviertels 1879 eine eigene Kirche erhielten. „Laut dem damaligen Stadtpfarrer hätten sich die Leute ihrer einfachen Kleidung wegen nicht in die Stadtkirche getraut.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Frage nach dem Umgang mit der alten Bausubstanz aufgekommen. „Damals hatten 75 Prozent der Häuser keine Toiletten und 80 Prozent keine Zentralheizung“. In den 60ern sei dann der Stadtplaner Ernst May mit der Neugestaltung des Viertels beauftragt worden. Allein die Kirche hätte nach der Umsetzung der Pläne noch gestanden. Der Widerstand aus dem Viertel habe aber den Abriss zugunsten einer sozialverträglichen Altstadtsanierung gestoppt.

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