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Tagblatt, 22.06.2010

Presse-Echo



Spaziergang
zu den einstigen Bahnhöfen


FÜHRUNG
Rainer Niebergall erzählt


Von Ingeborg Toth


Wiesbadener Tagblatt, 22.06.2010

Der Wartesaal der 2. Klasse verströmte einen Hauch von Großzügigkeit und Luxus. Das Foto entstand im Jahr 1908. Ansichtskarte aus der Sammlung Schaller

Eigentlich müsste sich mancher noch an den Rheinbahnhof der „Nassauischen Rheintalbahn“ erinnern können. Im Jahr 1857 in Betrieb genommen, wurde das Empfangsgebäude erst 1969 für die Erweiterung der Rhein-Main-Hallen abgebrochen. Das berichtet Rainer Niebergall, der seit langem Straßen erzählen lässt, von Häusern und ihren Bewohnern.

Als kundiger Führer durch die Historie ist er eine Art wandelndes Stadtmuseum. Er bietet jetzt auch „Sonntagsspaziergänge“ an. Den jüngsten zum Thema „Wiesbaden und seine Bahnhöfe“. Allein drei Kopfbahnhöfe standen an der Rheinstraße: neben dem Rheinbahnhof auch der Taunusbahnhof und der 1879 eröffnete Hessische Ludwigsbahnhof, dessen Reisende von Darmstadt [Niedernhausen!] kamen. Einziges Überbleibsel ist bis heute das ehemalige Gebäude der Rheinbahn-Verwaltung in der Bahnhofstraße, vom Justizministerium genutzt.

Niebergall schildert, was Reisen im 19. Jahrhundert bedeutete: „Man kam an und musste oft zum nächsten Bahnhof.“ Bis die Reise weiterging, konnte viel Zeit vergehen. „Manchmal hatte man sich ein Bett für die Nacht zu suchen.“

Deswegen gab es in der alten Bahnhofsgegend zahlreiche Hotels und Gasthäuser: „Übernachtung ab 2,50.“ Geschäftsreisende stiegen schon mal in der Nikolasstraße ab. „nach dem Halbbruder von Herzog Adolph benannt.“ Erst 1936, als es den neuen Hauptbahnhof schon 30 Jahre gab, wurde sie zur Bahnhofstraße.

Die Taunusbahn verband Frankfurt mit Wiesbaden sechsmal am Tag. Nachdem sie gebaut war, gründete sich ein Komitee, um eine Eisenbahnverbindung in den Rheingau zu verwirklichen. 1857 ist die Strecke eröffnet worden – man kam bis Rüdesheim.

„Weiter ging es erst einmal nicht. Weil privates Kapital knapp wurde.“ 1861 werden die beiden Strecken verstaatlicht. „Das kleine Nassau leistet sich eine Herzoglich-Nassauische Staatseisenbahn“, erzählt Niebergall, der auch die beiden Fotos zu diesem Bericht zur Verfügung stellte.

Das Eisenbahnzeitalter, wie wir es kennen, beginnt in Wiesbaden am 15. November 1906, nachts um 2.23 Uhr, so Niebergall. Der erste Zug, festlich geschmückt, fuhr in den neuen Bahnhof ein.

Damit hatten sich die schnaufenden Dampfloks um fast einen Kilometer zurückgezogen. Genau genommen vor die Stadt. Zwischen dem „schönsten Bahnhof Deutschlands“, den Kaiser Wilhelm II. versprochen hatte, und der Rheinstraße nichts als wucherndes Grün, nachdem die Gleisanlagen entfernt waren.

„Das Hohenzollernviertel sollte hier entstehen“, so Niebergall. Eine Immobilienkrise und der Erste Weltkrieg verhinderten das Großprojekt. Die Brache blieb. Erst Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts setzte die Stadt den Wunsch des Kunstmäzens Hugo Reisinger um, der viel Geld für einen Brunnen gestiftet hatte.
Annähernd 20 Jahre nach seinem Tod wurde die grüne Wüste gestaltet. Es entstanden statt des Brunnens die langgestreckten Wasserbecken mit Fontänen und einer Quellnymphe.

Und schließlich verwandelte der Apotheker Adam Herbert die an die Reisinger-Anlagen angrenzte verwahrloste Brache 1937 in eine blühende Stadtoase. „Im Nachhinein ein Segen“, so Niebergall, „dass für das Hohenzollernviertel kein Geld da war. Zwei Bürger, Reisinger und Herbert, verhalfen der Stadt zu einem grünen Entree, das seinesgleichen sucht.“

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